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Regisseurin von "ça brule", Präsentation von "Sinon oui" beim Festival in Cannes
Die jetzige Regisseurin von Dokumentarfilmen begann ihre Karriere mit der Funktion eines Assistenz-Cutters. Später wurde sie Cutter und im Jahre 1988 realisierte sie ihren ersten fiktiven Kurzfilm, „La Police“ und erhielt beim mehr...
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Geschichte
Die Zeit ist weiblich
Giselle Rufer Berufsträume von kleinen Mädchen
werden selten wahr. Im Falle der Uhrenunternehmerin Gisèle
Rufer ist das nicht ganz zutreffend. Sie ist zwar weder
Missionarin noch Schauspielerin oder Tänzerin geworden,
trotzdem hat sie sich von allen drei Berufen eine Scheibe
abgeschnitten; sie produziert Uhren für Frauen.
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Giselle Rufer zu Hause
in Magglingen, Schweiz |
Ganz Missionarin ist sie, wenn sie von der "Uhr ihrer
Träume" schwärmt, die sie für die Frauen
geschaffen hat. Ihre Lust, auf der Bühne zu stehen,
lebt sie als gefragte Referentin bei Kongressen und Veranstaltungen
von Frauenorganisationen aus. Der klassische Tanz ist zudem
ihr Hobby geworden, und die Liebe zum Tanz hat sie an ihre
Tochter weitergegeben, die heute als Prima Ballerina in Montreal
Furore macht.
Doch der Reihe nach: Zuerst sah es so aus, als ob aus den
grossen Träumen
der kleinen Giselle nichts würde. Als sie sieben Jahre alt war, starb ihr
Vater, der sie im Griff nach den Sternen stets ermutigt und ihre kecke, selbstbewusste
Art mit Wohlwollen begleitet hatte. Statt als Missionarin in Afrika oder Asien
arbeitete sie nach der obligatorischen Schulzeit im Geschäft ihrer Mutter
in Pruntrut, die luxuriöse Haushaltsgeräte verkaufte. Mit 22 heiratete
sie den angehenden Ingenieur und war in Kürze zweifache Mutter.
Matura, Studium und Informatikdiplom
Zwischen Kochtöpfen und Kindergeschrei holte sie die
eidgenössiche Matura nach und absolvierte danach ein Kunststudium
an der Universität Bern. Sie unterrichtete in Bildender
Kunst und Kunstgeschichte, was zwar spannend, aber ziemlich
brotlos war. Als ihre Tochter ihr mitteilte, dass sie Tänzerin
werden wolle, schrieb sie sich an der Ingenieurschule in Biel
ein, wo sie 1986 im Alter von 40 Jahren mit dem Informatikdiplom
abschloss.
Doch in der vom Jugendwahn besessenen Informatikbranche wurde
sie nicht heimisch. Ein Jahr später arbeitete sie bei
der damaligen SMH, wo Ernst Thomke sie mit der Markteinführung
der Kinderuhr Flik Flak betraute. " Bei diesem Job",
erinnert sich Giselle Rufer, "war ich die richtige Frau
am richtigen Platz." Als Mutter, Lehrerin und ehemalige
Verkäuferin brachte sie die idealen Voraussetzungen mit,
um die Kinderuhr zu lancieren. Und siehe da: Bald wurden "viermal
mehr Flik-Flak-Uhren verkauft, als die Geschäftsleitung
erwartet hatte".

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Die Familie von Giselle
Rufer, ihre Eltern, Brüder und Schwestern und deren Kinder.
Von ihnen kann Sie die Kraft und Inspiration schöpfen. |
Bloss Miniausgaben von Männermodellen
Gestärkt durch diesen Erfolg und gewappnet mit dem Lebensmotto "Es
ist mir erlaubt, was ich mir selber erlaube!" begann sie
sich mit der Entwicklung einer Frauenuhr zu beschäftigen. "Es
gibt Uhren für Segler, für Tiefseetaucher, für
Astronauten, für Flieger, doch eine spezielle Uhr für
die Frau gab es nicht, bloss verkleinerte Ausgaben von Männermodellen.
Das wollte ich unbedingt ändern." Ernst Thomke wollte
das auch. Doch als er das Unternehmen verliess, wurden die
meisten seiner Projekte fallen gelassen; so auch das Frauenuhrprojekt.
1994, nachdem sie in verschiedenen Betrieben der heutigen Swatch
Group gearbeitet hatte, machte sich Giselle Rufer selbständig.
Vorgängig besuchte sie jedoch noch einen Lehrgang für
Unternehmer an der Universität Neuenburg, denn Professionalität
ist ihr ganz wichtig. Ob es sich um den Businessplan, Medienunterlagen
oder die neusten technischen Entwicklungen bei ihren Uhren
handelt, nichts ärgert sie mehr, als wenn man ihr Dilettantismus
vorwirft.
Vielleicht gerade, weil sie als Hausfrau gestartet ist und
nach wie vor von ihrer Privatwohnung aus arbeitet – einer
lichtdurchfluteten Terrassenwohnung in Magglingen mit Rundsicht
vom Mont-Blanc bis zum Säntis - , setzt sie alles daran,
professionell aufzutreten. "Ich hasse es, wenn die Leute
sagen: "Du hast Erfolg, weil du so charmant bist." "Bei
der Entwicklung ihrer Uhr für die Frau hat sie denn auch
nichts dem Zufall überlassen. Zuerst stellte sich Gisèle
Rufer die Frage, was Zeit für Frauen überhaupt bedeutet.
Sie sprach mit Geschlechtsgenossinen auf allen Kontinenten
und bekam immer die gleiche Antwort: "Die Zeit zerrinnt
uns zwischen den Fingern, weil wir sie jenen schenken, die
wir lieben."
"Doch Zeit ist Leben" philosophiert sie, "unsere Zeit
ist unser Leben. Die Uhr der Frau musste somit das Leben symbolisieren." Aber
welches Leben? "In den unzähligen Gesprächen
mit Frauen habe ich immer die gleiche Sehnsucht nach Harmonie
verspürt – und nach Spiritualität, nach etwas
Immateriellem."
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Die Kunst ist Teil der
Familie von Giselle Rufer, Ihre Mutter war Sängerin und
Ihre Tochter tanzt. |
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Rachel
Rufer ist Prima Ballerina im Ballet "Aux
Grands Ballet Canadiens de Montréal" |
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Nur eine Form möglich: Die Raute
Und weil Giselle Rufer in Symbolik bewandert ist, war es
für sie klar, dass die Uhr eine ganz spezielle Form haben
musste: Die Rautenform. Die Raute gilt als universelles Symbol
des Lebens und des Wohlergehens. Die Fassung, die sie rund
um die Raute legte, bildet eine Endlosschleife, "die das
Weibliche mit dem Männlichen verbindet und die Trennung
zwischen den Geschlechtern aufhebt". Ist da bereits wieder
die Missionarin am Werk? "Die Raute bedeutet noch weit
mehr, aber ich will ihre Symbolik nicht strapazieren."
Selbstredend, dass die Uhr für Frauen auch von Frauen
hergestellt und vermarktet wird – von Designerinnen,
Graveurinnen, Steinsetzerinnen, Marketingspezialistinnen. Viele
sind, wie Rufer selbst, Wiedereinsteigerinnen und arbeiten
auf Freelance-Basis mit ihr zusammmen. Lediglich drei Mitarbeiterinnen
sind fest angestellt und haben ihre Arbeitsplätze in der
Wohnung in Magglingen. Männlich inspiriert ist nur der
Name: In Anlehnung an ihren Vater Fridelance nennt sie ihre
Marke Delance Swiss Watches.
"Uhren und Schmuck Nr. 14, 3. April
2002"
Yvonne-Denise Köchli
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