Rosa Garcia
Jedes Jahr finanziert DELANCE einen Preis für eine Unternehmerin, die Hüterin einer künstlerischen oder technischen Tradition ihres Landes ist. Für das Jahr 2008 hat DELANCE sich für eine Gruppe von Spitzenklöpplerinnen aus Portugal entschieden.
Wie fleissige Hände zu Reichtum und Wohlstand führen können...
Als Pico, die zweitgrößte Insel der Azoren in Portugal, ausbrach, wurde gleichzeitig die Erde für den Ackerbau in drastischem Masse reduziert und die Bevölkerung musste sich nach einem neuen Verdienst ihres Lebensunterhaltes umsehen.
Viele Männer sattelten auf Walfang um, der sich jedoch als nicht ausreichend herausstellte und daher 1987 aufgegeben wurde. Die Frauen hingegen versuchten ihr Glück bei der traditionellen Spitzenklöppelei und konnten damit ihr Überleben sichern sowie ihren Unterhalt bestreiten.
Die Beschäftigung des Klöppelns wurde einigen Frauen der Insel Anfang des 20. Jahrhunderts von einer Familie beigebracht, die aus den Vereinigten Staaten kam und als „Lemos“ Töchter bekannt wurde. Diese Familie lehrte die Frauen auf Pico, spezielle Nadeln (=farpa) und erlesenes Baumwollgarn zu verwenden.
Zuvor hatten die Frauen Baumwolle lediglich dazu benutzt, um Kleider und Decken herzustellen. Doch ab dem Beginn des frühen 20. Jahrhunderts lernten alle 8-10jährigen Mädchen, Spitzen anzufertigen.
Eine Dame namens Rosa Garcia machte es sich ab 1922 zur Aufgabe, die Spitzen auf der nahegelegenen Insel Faial zu verkaufen, welche das berühmte Café Peter beherbergt, das zum Verkaufsort für die Spitzen und von dort aus nach Portugal, in die USA und nach Südamerika transportiert wurde. Jede Spitzenklöpplerin spezialisierte sich auf einen bestimmten Bereich, sodass eine Spitze bis zu ihrer Fertigstellung von Hand zu Hand wanderte, was ein herrliches Beispiel für Teamgeist und Gemeinschaftsarbeit darstellt. Was die Bezahlung angeht, so wurden die Spitzen nach der Anzahl des benötigten Garns vergütet.
Die Frauen richteten sich ihren Tagesablauf mitsamt der Hausarbeit dementsprechend ein, um soviel Zeit wie möglich für die Herstellung von Spitzen zur Verfügung zu haben, sogar auf Kosten ihres Schlafs. Diese von den Frauen erfundene, kreative Strategie, ermöglichte das Überleben der Allgemeinheit in Pico. Sie erlaubte den Familien einen fortwährend zunehmenden Zugang zu ärztlicher Betreuung, Häuserbau, Schiffskäufen und zu der Freiheit, die Kinder auf der Nachbarinsel Faial zur Schule zu schicken. Noch heute stellt die Spitzenklöppelei einen Hauptfaktor des Familieneinkommens dar, das Kinder und Enkelkinder befähigt, ihr Studium auf dem Festland oder anderswo zu verfolgen.
Die Spitzenklöppelei ist heute nunmehr ein staatlich geprüftes Produkt, das auf nationalen und internationalen Ausstellungen sowie in Museen auf der ganzen Welt vorliegt.


